Die Geschichte des Strandkorbs

Das 19. Jahrhundert war von vielen tiefgreifenden Umbrüchen geprägt. Industrialisierung und Elektrifizierung, politische Umwälzungen und neue Ideen begleiteten den Aufbruch in die Moderne und veränderten Europa. Die Dampfschifffahrt, die Eisenbahn, das Automobil, das Telefon und das Kino sind Synonyme für diese Modernisierung und die allgemeine Beschleunigung des Lebens, die damit einherging. Gleichzeitig stellten enorme wirtschaftliche und soziale Verwerfungen die Gesellschaften Europas vor große Herausforderungen. Am Fin de Siècle hatten diese Entwicklungen zu einem gesellschaftlichen Klima zwischen Fortschrittsglauben, Zukunftseuphorie, Verunsicherung und Endzeitstimmung geführt, das sich nicht zuletzt in neuen künstlerischen Ausdrucksformen spielgelte.In dieser Zeit trat mit dem Strandkorb eine Erfindung ihren Siegeszug an, die sich dem allgemeinen Trend zu Veränderung und Beschleunigung widersetzte und bis heute für viele Menschen der Inbegriff von Entschleunigung und Entspannung ist. Der Strandkorb prägt seither und bis heute das Bild an den Stränden von Nord- und Ostsee von Borkum bis Usedom und wurde so zum Symbol der deutschen Bäderkultur. Tatsächlich steht die Erfindung des Strandkorbs in enger Verbindung mit der Gründung und Entwicklung der deutschen Seebäder. Schon Mitte des 18. Jahrhunderts waren Erholungs- und Kuraufenthalte am Meer in der englischen Oberschicht populär geworden, nachdem Mediziner, wie der britische Arzt Richard Russell in Brighton, die heilende Wirkung des Meerwassers propagiert hatten. Brighton entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte vom Fischerdorf zum mondänen Seebad Brighton. Dabei profitierte der Ort nicht nur von Russel und seinem medizinischen Wirken, sondern auch von der Patronage des englischen Königs, die Brighton zum beliebten Urlaubsziel der gehobenen Gesellschaft machte.

In Deutschland erkannte der Juister Inselpastor Gerhard Otto Christoph Janus als erster nicht nur die gesundheitlichen, sondern auch die ökonomischen Vorteile des Seebäderbetriebs. 1783 wandte er sich mit einer Petition an den preußischen König Friedrich den Großen, in der die Einrichtung eines Seebades auf der Insel Juist vorschlug, von der er sich insbesondere eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage seiner Gemeinde versprach. Während Janus' Bitte unbeantwortet blieb, gelang es dem Mediziner Samuel Gottlieb Vogel 1793 den Herzog von Mecklenburg-Schwerin von der Gründung des ersten deutschen Seebades in Heiligendamm zu überzeugen. Nur vier Jahre später eröffnete auf Norderney das erste deutsche Nordseebad. Weitere Bäder an Nord- und Ostsee folgten und erfreuten sich spätestens ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wachsender Beliebtheit bei Adel und wohlhabendem Bürgertum. Zum Erfolg der Seebäder trug dabei auch der technische und gesellschaftliche Fortschritt bei: Moderne Transportmittel erleichterten das Reisen, die Unterkünfte und Kureinrichtungen in den Badeorten wurden besser und das kulturelle und gesellschaftliche Leben machten die Sommerfrische in den Seebädern zu einem besonderen Vergnügen. Um die gesunde Seeluft am Strand zu genießen und dabei, vor Wind und Sonne geschützt, bequem sitzen zu können, wurden ab 1870 Strandkörbe verwendet.

1871 hatte der Korbmacher Ernst Karl Nikolaus Freese ein Musterbuch veröffentlicht, in dem er einen „Strandstuhl mit Überdachung aus Weiden und Peddigrohr“ beschrieb, die zum Schutz vor Regen und Wind mit einer ölgetränkten Leinwand bezogen werden sollte. Historische Dokumente belegen, dass diese Art früher Strandkörbe auf Norderney ab 1873 zum Einsatz kam. Obwohl er sich vermutlich von bereits bestehenden Modellen inspirieren ließ, gilt der Rostocker Hof-Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann vielen als Erfinder des Strandkorbs. Einer Anekdote zufolge soll er 1882 den Strandkorb im Auftrag der rheumakranken Elfriede von Maltzahn entwickelt haben, um der alten Dame trotzt ihres Gebrechens den Aufenthalt am Strand zu ermöglichen. Tatsächlich wurde der zweiteilige Strandkorb, der aus einem Unterteil mit Sitzbank und einem verstellbaren Oberkorb besteht, 1910 von Bartelmanns ehemaligen Gesellen Johann Falck entwickelt. Während also mit einem Korbgeflecht überdachte Strandstühle schon seit spätestens 1871 bekannt sind, ist Falck der Erfinder des modernen Strandkorbs, wie er in seit 1910 fast unveränderter Form an den deutschen Küsten verbreitet ist. Heute unterscheidet man bei Strandkörbe zwei Formen: Die rundere Ostseeform mit ihren geschwungenen Linien und die kantigere Nordseeform, die sich durch gerade Linien an Gestell und Oberkorb auszeichnet. Ob der Name der unterschiedlichen Typen tatsächlich auf Herkunft hinweist ist unklar. Strandkörbe beider Formen sind sowohl an den Stränden der Ostsee als auch an denen der Nordsee verbreitet. Und natürlich machen sie auch im Garten oder auf der Terrasse eine gute Figur und laden zu Entspannung und Entscheunigung ein.

Die Geschichte des Strandkorbs

Das 19. Jahrhundert war von vielen tiefgreifenden Umbrüchen geprägt. Industrialisierung und Elektrifizierung, politische Umwälzungen und neue Ideen begleiteten den Aufbruch in die Moderne und veränderten Europa. Die Dampfschifffahrt, die Eisenbahn, das Automobil, das Telefon und das Kino sind Synonyme für diese Modernisierung und die allgemeine Beschleunigung des Lebens, die damit einherging. Gleichzeitig stellten enorme wirtschaftliche und soziale Verwerfungen die Gesellschaften Europas vor große Herausforderungen. Am Fin de Siècle hatten diese Entwicklungen zu einem gesellschaftlichen Klima zwischen Fortschrittsglauben, Zukunftseuphorie, Verunsicherung und Endzeitstimmung geführt, das sich nicht zuletzt in neuen künstlerischen Ausdrucksformen spielgelte.In dieser Zeit trat mit dem Strandkorb eine Erfindung ihren Siegeszug an, die sich dem allgemeinen Trend zu Veränderung und Beschleunigung widersetzte und bis heute für viele Menschen der Inbegriff von Entschleunigung und Entspannung ist. Der Strandkorb prägt seither und bis heute das Bild an den Stränden von Nord- und Ostsee von Borkum bis Usedom und wurde so zum Symbol der deutschen Bäderkultur. Tatsächlich steht die Erfindung des Strandkorbs in enger Verbindung mit der Gründung und Entwicklung der deutschen Seebäder. Schon Mitte des 18. Jahrhunderts waren Erholungs- und Kuraufenthalte am Meer in der englischen Oberschicht populär geworden, nachdem Mediziner, wie der britische Arzt Richard Russell in Brighton, die heilende Wirkung des Meerwassers propagiert hatten. Brighton entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte vom Fischerdorf zum mondänen Seebad Brighton. Dabei profitierte der Ort nicht nur von Russel und seinem medizinischen Wirken, sondern auch von der Patronage des englischen Königs, die Brighton zum beliebten Urlaubsziel der gehobenen Gesellschaft machte.

In Deutschland erkannte der Juister Inselpastor Gerhard Otto Christoph Janus als erster nicht nur die gesundheitlichen, sondern auch die ökonomischen Vorteile des Seebäderbetriebs. 1783 wandte er sich mit einer Petition an den preußischen König Friedrich den Großen, in der die Einrichtung eines Seebades auf der Insel Juist vorschlug, von der er sich insbesondere eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage seiner Gemeinde versprach. Während Janus' Bitte unbeantwortet blieb, gelang es dem Mediziner Samuel Gottlieb Vogel 1793 den Herzog von Mecklenburg-Schwerin von der Gründung des ersten deutschen Seebades in Heiligendamm zu überzeugen. Nur vier Jahre später eröffnete auf Norderney das erste deutsche Nordseebad. Weitere Bäder an Nord- und Ostsee folgten und erfreuten sich spätestens ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wachsender Beliebtheit bei Adel und wohlhabendem Bürgertum. Zum Erfolg der Seebäder trug dabei auch der technische und gesellschaftliche Fortschritt bei: Moderne Transportmittel erleichterten das Reisen, die Unterkünfte und Kureinrichtungen in den Badeorten wurden besser und das kulturelle und gesellschaftliche Leben machten die Sommerfrische in den Seebädern zu einem besonderen Vergnügen. Um die gesunde Seeluft am Strand zu genießen und dabei, vor Wind und Sonne geschützt, bequem sitzen zu können, wurden ab 1870 Strandkörbe verwendet.

1871 hatte der Korbmacher Ernst Karl Nikolaus Freese ein Musterbuch veröffentlicht, in dem er einen „Strandstuhl mit Überdachung aus Weiden und Peddigrohr“ beschrieb, die zum Schutz vor Regen und Wind mit einer ölgetränkten Leinwand bezogen werden sollte. Historische Dokumente belegen, dass diese Art früher Strandkörbe auf Norderney ab 1873 zum Einsatz kam. Obwohl er sich vermutlich von bereits bestehenden Modellen inspirieren ließ, gilt der Rostocker Hof-Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann vielen als Erfinder des Strandkorbs. Einer Anekdote zufolge soll er 1882 den Strandkorb im Auftrag der rheumakranken Elfriede von Maltzahn entwickelt haben, um der alten Dame trotzt ihres Gebrechens den Aufenthalt am Strand zu ermöglichen. Tatsächlich wurde der zweiteilige Strandkorb, der aus einem Unterteil mit Sitzbank und einem verstellbaren Oberkorb besteht, 1910 von Bartelmanns ehemaligen Gesellen Johann Falck entwickelt. Während also mit einem Korbgeflecht überdachte Strandstühle schon seit spätestens 1871 bekannt sind, ist Falck der Erfinder des modernen Strandkorbs, wie er in seit 1910 fast unveränderter Form an den deutschen Küsten verbreitet ist. Heute unterscheidet man bei Strandkörbe zwei Formen: Die rundere Ostseeform mit ihren geschwungenen Linien und die kantigere Nordseeform, die sich durch gerade Linien an Gestell und Oberkorb auszeichnet. Ob der Name der unterschiedlichen Typen tatsächlich auf Herkunft hinweist ist unklar. Strandkörbe beider Formen sind sowohl an den Stränden der Ostsee als auch an denen der Nordsee verbreitet. Und natürlich machen sie auch im Garten oder auf der Terrasse eine gute Figur und laden zu Entspannung und Entscheunigung ein.

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